Fa. Thämert (Mühlh. Pflaumenmusfabrik)

                     Herthä                  

Thüringer Pflaumenmus und Konservenfabrik Mühlhausen

Diese Firma hat den Namen unserer Stadt auf kulinarische Weise auf  der ganzen Welt bekannt gemacht. 

                                      Mühlhäuser Pflaumenmus                                                                                                 the best of the world!                                                                                                      heute genauso wie damals!


die Firmengeschichte:

Luise & Hermann Thämert

Die Firmengründer waren das Ehepaar Luise und Hermann Thämert. Hermann Thämert übernahm den von seinem Vater Carl gegründeten und nach dessen Tod von seiner Mutter Mathilde weitergeführten Material- und Kolonialwarenladen in der Eisenacher Straße. Im Hinterhaus wurde schon zu Hermanns Kindheit Mus und Konfitüre aus den Gartenfrüchten gekocht. Die benötigten Gewürze stammten aus dem kleinen Laden. Daraus entstand eine Geschäftsidee. Der Laden wurde aufgegeben und zum 01. November 1908 eine Firma gegründet. Der erste Firmen- und Vertriebsname "Herthä" war das zusammengesetzte Kürzel des Namens Hermann Thämert. Zunächst wurde nur in geringem Maße produziert doch die Qualität und der gute Geschmack sprach sich herum. Die Produktion wurde erweitert und 1910 ging die erste Dampf-Muskocherei noch in der Eisenacher Straße in betrieb.

Stammhaus der Familie Thämert in der Eisenacher Straße 


Werbung - Gründerzeit

Um der steigenden Nachfrage Herr zu werden verlagerten die Thämerts ihre Produktion 1916 in ihren Garten in der Brunnenstraße. Damals standen schon 10 Muskocherinnen und -kocher an den Kesseln. Nach 1918 wuchs die Firma weiter und aus dem Provisorium wurde 1924 eine neue Fabrik in der Brunnenstraße 44/45.

 

Betriebshof der Firma „Herthä“ in den 1930er Jahren

In den 1930er Jahren stieg die Produktion auf 1,5 Millionen Gläser im Jahr was etwa 4000 t entspricht. Dazu waren Modernisierungen und höhere Lagerkapazitäten nötig. Die Belegschaft wuchs ständig an, produziert wurden nun auch Gemüse- und Gurkenkonserven sowie Fruchtsäfte und auch der Firmenname änderte sich in 

Herthä - Thüringische Pflaumenmus- und Konservenfabrik.

Aus dem Stammbuch der Firma „Herthä“ (1933):

                                        Hauptbüro                                                                                Kesselhaus

                                   Konservenküche                                                                            Dosenlager

                                          Krautlager                                                                               Vakuum-Apperate

Sauerkraut- & Gurkenwerbung



Nach dem Ausbruch des II. Weltkriegs blieben Thämert nur etwa 100 Beschäftigte, mit denen es unmöglich war, die steigende Versorgung, vor allem auch der Armee zu realisieren. Trotz steigender Auftragslage ging die Produktion zurück und auch dringend nötige Investitionen wurden kriegsbedingt auf Eis gelegt.

Ab Mai 1945 ging die Produktion ebenfalls weiter zurück, da die alten Zulieferer, sowohl für Verpackungsmaterial als auch für Obst und Gemüse vorwiegend in den westlichen Besatzungszonen lagen. Auf Grund der hohen Nachfrage, neuer Zulieferer aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Umstieg von Weißblechbüchsen auf Gläser, konnte die Produktion ab 1946 wieder ansteigen.

 

Zunächst blieb der Firma eine Enteignung erspart. Es wurde weiter modernisiert und die Mitarbeiterzahl stieg bis 1950 auf  170. 1952 nahm die Thüringische Pflaumenmus- und Konservenfabrik Mühlhausen erfolgreich an der Leipziger Messe teil. Im selben Jahr stirbt der Firmengründer Hermann Thämert. Mit der Aufnahme einer staatlichen Beteiligung im Jahr 1953 konnte die Produktion weiter ausgebaut werden und 1971 ein Gewinn von einer Millionen Mark erwirtschaftet werden.

1972 kam endgültig die Verstaatlichung. Trotz ungebrochen hoher Nachfrage ging es mit dem VEB Thüringer Pflaumenmus- und Konservenfabrik Mühlhausen seither stetig bergab. Es mangelt an allem. Um dieser Misere zu begegnen wurde der Betrieb 1976 in den VEB Obst- und Gemüseverarbeitung Mühlhausen integriert. Aber auch das half nichts und der Verband wurde 1988 wieder aufgelöst. Nun hieß der Betrieb VEB Marmeladenfabrik Mühlhausen.


Trotz der staatlichen Mangelwirtschaft blieb die Qualität des "thämertschen" Pflaumenmuses erhalten und erreicht, nicht nur im Osten, Kultstatus. 


1993 wurden Reprivatisierungsansprüche durch die Thämert-Erben gestellt. Diese bezogen sich aber nur auf das Grundstück. Dringend wurde ein neues Objekt für die privatisierte Firma, die jetzt Mühlhäuser Pflaumenmus GmbH hieß, gesucht und gefunden.

                                                                                                       

1995/96 erfolgte der Teilumzug in die Mühlstraße. Unter der Marke "Mühlhäuser" werden sowohl in Mühlhausen als auch in Mönchengladbach jährlich etwa 21 Millionen Gläser Pflaumenmus und Konfitüre produziert. Des Weiteren trägt das Mühlhäuser Pflaumenmus das CMA-Gütesiegel und darf das Herkunftszeichen "Original Thüringer Qualität" tragen. Es wird Deutschlandweit in mehr als 34000 Geschäften angeboten und ist als Exportschlager auch in Asien, Afrika und Amerika erhältlich.

                               

 

Der Abriss 2002:

Nach dem Umzug des Unternehmens in die Mühlstraße standen die Fabrik und die Thämert-Villa in der Eisenacher Straße lange leer. Sehen wir uns erst einmal die alte Villa, in deren Garten einst der Siegeszug des "thämertschen" Pflaumenmuses begann, kurz vor dem Abriss noch einmal an.

Ein Foto aus dem Jahr 1930, das schon einmal in der Firmengeschichte zu sehen war, zeigt das ehem. Fabrikgebäude von fast derselben Position aus, von der auch die folgende Aufnahme 2002, kurz vor dem Abriss, gemacht wurde.

   

Begonnen wurde der Abriss mit den Gebäudeteilen auf dem Hinterhof, die einst zur Erweiterung der Produktion angebaut wurden und mit der Entkernung des gesamten Fabrikgebäudes sowie des Kesselhauses.

Links in den folgenden zwei Bildern ist der Rohbau des ehem. Arbeitsamtes am Schillerweg zu sehen. Diese Gebäude sind zwischenzeitlich umgebaut worden und werden heute als Wohnhäuser genutzt. 

Während der Abrissarbeiten, die mit dem Dach und danach dem Westflügel fortgesetzt wurden, fiel Schnee, was im Januar nicht unüblich ist, die Arbeiten aber wesentlich erschwerte. 


Ein paar Worte zum Thüringer, oder besser Mühlhäuser Pflaumenmus: 

Unser heimisches Pflaumenmus zählte während der DDR-Zeit zur so genannten Bückware. In den Geschäften war es mehr als nur selten regulär zu haben. Drei Möglichkeiten gab es, um an den begehrten Brotaufstrich zu kommen: 1. man kannte einen Firmenmittarbeiter aus der "Pflaumenmus- bzw. Marmeladenbude", wie die Firma scherzhaft von den Mühlhäusern genannt wurde, 2. man kannte eine Verkäuferin, die einem wohl gesonnen war und 3. man fuhr nach Berlin oder ließ es sich aus Berlin mitbringen. Kurios aber zu DDR-Zeiten gang und gebe.  

Wie werden Pflaumen zu Thüringer oder besser zu Mühlhäuser Pflaumenmus? 

Heutzutage kommen die Pflaumen für das Mus aus Thüringer Anbaugebieten, hauptsächlich aus Gierstedt bei Erfurt. Dort werden die Früchte zu Saft und zu dem, für die Musherstellung wichtigen Obstmark verarbeitet. In Mühlhausen werden dem Obstmark dann die Aromen und die geheimen Gewürze zugemischt. 2 Stunden bei 90 - 100 °C kochen, nichts anbrennen lassen und fertig ist das Mühlhäuser Pflaumenmus, das man in den Sorten gewürzt, stückig, für Diabetiker und für Gourmets auch hier kaufen kann, ohne nach Berlin fahren zu müssen.us Berlin mitbringen. Kurios aber zu DDR-Zeiten gang und gebe.

Nach diesen kleinen Ausflügen in DDR-Realität und Omas Pflaumenmusküche zurück zum Abriss der Pflaumenmusfabrik. Mitte März 2002 wurden die Abriss- und Aufräumarbeiten auf dem Thämert-Gelände abgeschlossen.

 

Lange wurde nach einem Kaufinteressenten gesucht. Anfang 2004 fand man endlich einen Käufer, der aber nur etwa die Hälfte des Geländes zum Bau eines Supermarktes erwarb. Das ist auch der Grund, warum es in der Brunnenstraße neben dem Supermarkt heute, 2015, noch genauso aussieht wie im Jahr 2004. Dieser Teil des Geländes ist immer noch nicht verkauft und liegt seither brach.



2004

Im April 2004 Titelt die TLZ: Endlich, Baubeginn auf dem Thämert-Areal.


An der Ecke Brunnenstraße - Eisenacher Straße entstand ein Plus - Einkaufsmarkt. Nach Übernahme der Plus-Warenhandels-Gesellschaft durch EDEKA im Jahr 2010 ist hier eine der Mühlhäuser Filialen der EDEKA-Tochter Netto zu finden.

Dringend wird für das Restgelände westlich neben dem Supermarkt noch ein Käufer oder Investor gesucht, damit auch dieser Schandfleck aus dem Stadtbild bald verschwindet. 

                                                                                                 

Wir gehen nun etwa 20 Jahre zurück an den Punkt, wo sich die Geschichte der ehemalige Firma von Hermann Thämert und die des Textielfärbebetriebes Cottana Werk VI bzw. BB 3 (ehem. Giebe) berühren. 

       

Mühlhäuser Allgemeine vom 27. September 1995

Nach erfolgreicher Sanierung bezog das Lebensmittelunternehmen "Mühlhäuser Pflaumenmus GmbH" eines der letzten, nicht abgerissenen Gebäude des ehemaligen Textilfärbe- und Veredlungsbetriebes in der Mühlstraße. Diesen Schnittpunkt der beiden Firmengeschichten nehme ich zum Anlass, die Dokumentation über Fa. Thämert abzuschließen. Die Geschichte der Firma Giebe ist auf einer weiteren Seite zu finden.