Postgeschichte Mühlhausen (Paketpost)

Mühlhäuser Postgeschichte 

 

           Reichspostflaggen       1892 - 1918                                        1919 - 1921                                       1921 - 1933

Nun möchte ich an dieser Stelle nicht die Geschichte der Post erzählen. Diese ist im Internet und in etlichen Büchern zur Genüge beschrieben. Auch ist mir bewusst, dass die Post nicht unbedingt als Industriebetrieb zu sehen ist, sondern als Dienstleister. Für die Industrie ist sie jedoch ein unersetzlicher Partner. Ich werde mich also auf einige Punkte der Postgeschichte von Mühlhausen beschränken.

 

     Reichspostflagge         1933 - 1935    Dienstflagge der Deutschen Post (DDR)   Dienstflagge der Bundespost

 

Die Freien Reichsstadt Mühlhausen hatte bereits um 1634 das Thurn und Taxis Posthaus in der Holzstraße 1, dem früheren Zellschen Freihof.

 

                 1975              ehem. Zell`sche Freihof               1955                           Holzstraße 1                        2012

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Mühlhausen zu einem wichtigen Postknotenpunkt zwischen den großen Städten im Norden, Süden, Osten und Westen. Während anfangs meist nur Postreiter Briefe beförderten, kamen nun immer öfter Postkutschen zum Einsatz, die Pakete und später auch Personen transportierten. 1700 wechselte die Poststation. Sie war nun Bei der Marienkirche 5 zu finden.

 

Österreich                         Bei der Marienkirche 5                             um 1980                           Preußen

Durch die steigende Zahl der Reisenden waren Poststationen meist auch Herbergen oder lagen in unmittelbarer Nähe zu Gasthäusern. 1802 verlor Mühlhausen seine Reichsfreiheit und wurde Preußisch. Auch die Posthoheit ging von der Thurn & Taxis`schen Post auf die königlich preußische Post über. Der preußische Adler wurde am Mühlhäuser Posthaus angeschlagen und ein Schildhäußchen mit Wache aufgestellt.

 

    Bei der Marienkirche 6               um 1900    Innenhof                                   um 1900                 Ostseite um 1970

Von 1805 bis 1816 bekam die Post eine neue Station Bei der Marienkirche 6. Mittlerweile führten acht Postlinien über Mühlhausen wie die Linien  Gotha - Braunschweig, Erfurt - Hildesheim, Weimar - Hannover und Eisenach - Nordhausen. Eine Fahrt von Frankfurt am Main bis Mühlhausen dauerte damals etwa 3 Tage.

1817 zog die Poststation abermals um. Diesmal ging es in die Brückenstraße 11, wo sie bis 1839 blieb. In dem damals vornehmen Haus der Familie Hagenbruch logierten oft hohe Gäste wie der preußische General von Wartensleben, der Fürst von Reuß und der Kronprinz von Schweden.

 

        Brückenstraße 11 um 1970                                                 um 1880                                                       2012 

Von 1840 bis 1857 befand sich die Post am Untermarkt 37 Ecke Linsenstraße. Lange Zeit war dort ein Schnellrestaurant.

 

  um 1940                       Untermarkt 37                     2012          

Von 1857 bis 1882 war das Posthaus dann am Untermarkt 33. 1861 erfolgte von hier aus der erste Telegrafenanschluss nach Sondershausen.       

 

                                              um 1970                           Untermarkt 33                               2012 

1871 wurde die Kaiserliche Reichspost gegründet. Im Jahr 1880 hatte Mühlhausen 14 der damals neuartigen Briefkästen für frankierte Sendungen und 1897 fuhr die letzte Postkutsche nach Schlotheim.

 

 

                                     Fleischaus um 1865                                                 Kaiserliches Post- und Fernmeldeamt 1914

1882 wird das neue kaiserliche Postamt am Obermarkt eröffnet, das an Stelle des Fleischhauses errichtet wurde. Ab 1887 ist es auch Fernmeldeamt. Neben der großen Schalterhalle im Erdgeschoss beherbergt das neue Postamt in der ersten Etage eine Schaltzentrale, in der alle Fernsprech- und Telegrafenverbindungen bis zum Ende der 1980er Jahre abgewickelt wurden.

 

             Obermarkt um 1900                        Steinweg und Obermarkt um 193               Steinweg und Obermarkt 2011

Der Obermarkt wird immer öfter von den Mühlhäusern als Postplatz bezeichnet. Das änderte sich auch nicht, als der Platz von 1933 - 1945 Hitlerplatz und von 1946 - 1990 Karl-Marx-Platz hieß.

 

            Postamt 1967                                  2012                                           1974                                          2012


1913 werden die Häuser Steinweg 90 - 93, in denen sich u.a. die Schirmfabrik Rinneberg und der alte Postkeller befanden, für den Bau der neuen Paketpost abgerissen. Diese ist 1914 fertig.

 

                         ehem. Postkeller - Steinweg 93 (um 1900)                             ehem. Fa. Rinneberg - Steinweg 90 (1912/13)

Zur selben Zeit entstand am Bahnhof  das Gebäude der Bahnpost, auch einfach nur Paketschuppen genannt - etwa dort, wo heute der Busbahnhof ist. Hier wurden die ankommenden Bahnpostwagen entladen, die Sendungen vorsortiert und über die neue Paketpost verteilt. Bei abgehenden Sendungen war es umgekehrt. Das änderte sich bis Mitte der 1990er Jahre nicht wesentlich.

1988 - ehem. Packetschuppen am Bahnhof (kurz vor dem Abriss)

 

                                            1967                           Obersteinweg                                      2012

In den 1930er Jahren eröffnet am Bahnhofsplatz eine Postfiliale. Der offizielle  Name der Post wechselte nach 1945 für die westlichen Besatzungszonen in Bundespost und für die DDR in Deutsche Post. Für die Mühlhäuser Postkunden änderte sich jedoch vorerst nicht viel. Im Laufe der Jahre eröffneten noch Postfilialen in der Sachsensiedlung und im dem Forstbergviertel.

 

                                           1985                              Obersteinweg ( früher Krautmarkt)                   1990

1991 musste der alte Paketschuppen in der Bahnhofstraße dem Bau des Busbahnhofs am Bahnhof weichen und zog in einen Neubau in die Straße Am Güterbahnhof. Verteilerzentrum war aber immer noch die, mittlerweile zu kleine, Paketpost am Steinweg/Obermarkt.

     

                          Paketpost - Steinwegseite                          1990       Hof Paketpost vom Obermarkt(ehem. Salzmarkt

  Obersteinweg - Postgebäude                               1990     Obersteinweg (ehem. Krautmarkt)                                    1993

Ende der 1990er Jahre wird die Paketpost endgültig zu klein. Auch die verkehrstechnische Anbindung mitten in der Innenstadt ist nicht mehr tragbar. Der Zustelldienst DHL zog in die Gartenstraße, der Paketschuppen, der sich jetzt Paket-Verteiler-Zentrum (PVZ) nennt, in das Gewerbegebiet An der Trift. Das Fernmeldeamt hieß nun Telekom und zog in einen Neubau an der Burg. Das Postgebäude auf dem Obermarkt wurde verkauft und die Paketpost im Jahr 2000 abgerissen. An seiner Stelle steht heute ein modernes Warenhaus.

 

1990                       Obersteinweg                        2012


 Abriss der Paketpost 2000

 

Während nun die Abrissbilder aus dem Jahr 2000 zu sehen sind doch noch ein paar allgemeine, geschichtliche Informationen zur Post: 1959 entstand in der DDR der Postzeitungsvertrieb, kurz PZV. Durch die neu geschaffenen Paragraphen 2 und 3 des Gesetzes über das Post- und Fernmeldewesen der DDR vom 3. April 1959 übernahm die Deutsche Post nun auch den Vertrieb aller Presseerzeugnisse wie Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten. Das Postverteilersystem musste neu geregelt werden.

 

 

Es wurden neue Postverteilerkästen aufgestellt. In diesen wurden die sortierten Zeitungen für den Zusteller bereitgelegt. Gefüllt wurden diese grauen Kästen durch die motorisierten Paketzusteller und Telegrammfahrer vor ihrer eigentlichen Tour. Dieses System änderte sich bis 1990 nicht. Die Zentrale Stelle für alle zuzustellenden Sendungen von Mühlhausen und Umgebung war die Paketpost am Steinweg mit der Zufahrt über den Obermarkt.

 

Die 1990er Jahre waren geprägt von der Umgestaltung der Post. Bundespost und Deutsche Post der DDR wurden Deutsche Post, Pakete kamen nicht mehr mit der Bahn sondern mit LKWs und Presseerzeugnisse wurden nicht mehr durch die Post zugestellt. Das Fernmeldenetz in der ehem. DDR war hoffnungslos veraltet und musste dringend erneuert werden.

 

Die 1995 durchgeführte Postreform teilt die Deutsche Post in drei Tochterunternehmen. Die Telekom für den Fernmeldebereich, DHL für den Zustellbereich und die Postbank. Um wirtschaftlich arbeiten zu können sind alle drei Tochterunternehmen heute eigenständige Unternehmen.

 


Das Mühlhäuser Postamt 1997

Diese Bilder sind für alle, die sich nicht mehr an das Innere des Postamtes erinnern können oder es noch nie gesehen haben, weil sie damals zu klein oder noch gar nicht auf der Welt waren. Natürlich auch für die, die sich einfach nur gern an die Post auf dem Postplatz (Obermarkt, Hitlerplatz, Karl-Marx-Platz) erinnern.

 

               Postamt und Obermarkt bei Nacht                                                             Posthof am Obermarkt

 

                             Post - Eingangsbereich                                             Post - Schließfächer (Eingangsbereich rechts)

 

                        Post - Schalterhalle (links)                                                          Post - Schalterhalle (rechts)