VEB Mülana (Teil 1)


    VEB Mülana  Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/1960er_logo_muelana-02-2png.png

Teil 1

Die Firmengeschichten der Mühlhäuser Betriebsteile

Zum Beginn der Reihe über die Industriegeschichte Mühlhausens hab ich mir den einstmals größten und weltweit bekanntesten Textilbetrieb der Stadt ausgesucht, den VEB Mülana. 

Die Betriebsgeschichte des VEB OT Mülana Mühlhausen ist nicht leicht wieder zu geben. Ab der 2. Hälfte der 1980er Jahre gab es 5 Werke und 11 Produktionsstätten. Allein in Mühlhausen waren 3 Werke, 2 Produktionsstätten, die 2 Lehrbetriebe sowie das LWH mit der Polytechnik an unterschiedlichen Standorten in der Stadt. Jeder dieser Standorte war früher ein eigenständiges Werk mit eigener Geschichte. Dieser Überblick zeigt die Betriebsstruktur am Ende der 1980er Jahre.

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Man sieht schon, dass dieser Teil sehr umfangreich wird, obwohl ich mich, "nur", auf die Mühlhäuser Werke und Produktionsstandorte reduzieren werde. Beginnen wir mit den drei Gründerfirmen des VEB "Einheit", wie der VEB Mülana bis 1974 hieß.

 
Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/trennung_muelana.png 

Firma Fr. Rathgeber

Die ehemalige Firma Fritz Rathgeber, die ihren Firmensitz in der damaligen Viktoriastraße 36/37 (heute Thälmannstraße) hatte, war der älteste dieser drei Betriebe und zählt als „Ursprungsbetrieb“ des VEB Mülana.


Briefkopf


Gegründet wurde die Firma im Jahr 1826. Vorerst ließ Friedrich Johann Rathgeber nur in Heimarbeit produzieren. 1850 erwarb Rathgeber ein Geschäftsgebäude auf dem Steinweg. 1862 ging die Firma auf die Söhne Gustav und Karl Rathgeber über

Fa. Rathgeber um 1900 in der damaligen Viktoriastraße


Zunächst wurde noch am Steinweg 4 produziert bis 1890 begonnen wurde, die Firmengebäude in der Viktoriastraße zu bauen. Diese waren mit modernen mechanischen Webstühlen ausgestattet. In Heimarbeit wurden aber weiterhin z. B. Strümpfe und Pulswärmer gestrickt. Nach Fertigstellung der Fabrik im Jahr 1892 waren schon die Enkel des Firmengründers, Albert, Friedrich und Paul, als Geschäftsführer in der Firma tätig.


Ausstattung des Betriebes mit modernen Maschinen der Walter & Co. GmbH aus Mühlhausen

1896, 1910 und 1913 wurde die Firma nochmals erweitert und modernisiert. Zu dieser Zeit haben die Rathgebers etwa 550 Beschäftigte, 1917 gegen Ende des 1. Weltkrieges nur noch 220.

1923 kam die Wirtschaftskrise. Entlassungen, Aussperrungen und die Ausgabe von Notgeld blieben auch der Firma Rathgeber nicht erspart.



Die bereits 1920 und 1922 in die Firma eingetretenen Söhne der Firmeninhaber, Alfred, Fritz und Walter Rathgeber, übernahmen 1925 die Firmengeschäfte. Nachdem sich die Beschäftigtenzahl nach dem Krieg wieder verbessert hatte, ging 1929 ihre Zahl von ca. 1000 wieder auf etwa 700 zurück. Mitte der 1930er Jahre ging es wieder bergauf. 1938 wurde die Fließbandarbeit eingeführt und 1939 begann die Kriegsproduktion. Es wurden Strümpfe, Pullover und Kopfschützer für die Wehrmacht hergestellt.

 

 

1945 begann die Nachkriegsproduktion und ab 1946/47 wurden Reparatinonsaufträge für die Sowjetunion ausgeführt. Auf Grund von fehlenden, eigenen Arbeitskräften beauftragte die Firma Rathgeber 14 weitere Unternehmen mit einem Großteil dieser Produktionsaufträge.

Im Jahr 1948 setzt sich Walter Rathgeber, der zu dieser Zeit Teilhaber und Geschäftsführer des Unternehmens war, in den Westen, vermutlich nach Regensburg, ab. Dort hatte die Firma Rathgeber eine Zweigfirma. Daraufhin wurde die Strickfabrik im November 1948 unter Treuhandverwaltung gestellt. 155 Mitarbeiter waren nach dem 2. Weltkrieg wieder bei der Firma Rathgeber beschäftigt, bis 1950 stieg deren Zahl auf 192.

Im Jahr 1951 wurde der Treuhandbetrieb enteignet.


 


Fa. E. Laufer

Der zweite Gründungsbetrieb der "Einheit" war die Firma Engelbert Laufer. Laufer war eigentlich Strumpfproduzent aus Diedorf und gründete dort 1887 seine Firma.

Wollwarenfabrik Louis Hirsch - Feldstraße

1938 übernahm er die 1870 gegründete Wollwarenfabrik des enteigneten Juden Louis Hirsch in der Feldstraße, die Laufer für 330.000,- RM zu einem nationalsozialistischen Vorzeigebetrieb umbaute und umstrukturierte.


Wie in allen anderen Betrieben lief ab 1939 die Kriegsproduktion. Als einer der ersten Textilbetriebe rüstete die Firma Laufer noch während des Krieges einen Großteil seiner Produktion auf Motorstrickmaschinen um.

1945 wurde Engelbert Laufer selbst enteignet, seine Firma als eine der ersten Betriebe der Stadt unter Treuhandkontrolle gestellt und 1946 ebenfalls enteignet.


Bis zur Gründung des VEB "Einheit" wurde der Betrieb als "volkseigen" weitergeführt.



Strickwarenfabrik L. Böttcher


Der dritte Gründungsbetrieb war die Firma Böttcher in der Wagenstedter Straße 4. Die von Ludwig Böttcher im Jahr 1887 gegründete Firma produzierte zunächst vorwiegend Westen. Nach dem 1. Weltkrieg passte sich die Firma der Mode an und es wurden zunehmend Strickwaren hergestellt. 1929 traten Emil Böttcher und sein Bruder Ferdinand in die Firma ein. 1933 wurde die 1892 gegründete Thüringer Schuhfabrik Schreiber & Honer übernommen und die gesamte Produktion in die neue Firma verlegt.

Ab 1938 führte Emil Böttcher die Firma allein weiter, die 1939 ebenfalls in die Kriegsproduktion einstieg und 92 Arbeiter, 8 Angestellte und 78 Heimarbeiter beschäftigte. Während des 2. Weltkrieges kam es zu einer zeitweisen Betriebsstilllegung.

Nach dem Krieg führte auch die Firma Böttcher Reparationsaufträge aus, teilweise als Subunternehmen der Firma Rathgeber. 1948 beschäftigte die Firma Böttcher 84 Arbeiter und 11 Angestellte.

                     16.01.1946                                                 22.03.1946                                                15.09.1947

        Schreiben zur Sequestierung                 Schreiben zur Schuldenbegleichung                Beschlagnahme der Firma

Im selben Jahr wird Emil Böttcher im Rahmen einer Volkskontrolle verhaftet und die Firma im November 1948 unter Treuhandkontrolle gestellt.

                         20.02.1948                                             16.03.1948                                   01.06.1948 

                      Sequestierung                         Rückgängigmachug der Sequstition      Aufhebung der Sequstition

1951 erfolgten die Enteignung und die Überführung in einen VEB.


 



Soweit die Firmengeschichten der drei Gründerbetriebe des VEB "Einheit". Hier noch einmal eine Übersicht, die die einzelnen Firmenübernahmen mit den jeweiligen Jahresangaben bis 1951 zeigt.

1933 übernahm die Firma Böttcher die Schuhfabrik Schreiber und Honer, 1938 übernahm die Firma Laufer die Wollwarenfabrik Louis Hirsch, zusammen mit der Firma Rathgeber entstand am 1. Oktober 1951 der VEB Einheit Mühlhausen in Thüringen. Die Einheit gliederte sich nun in Werk 1 (ehem. Fa. Rathgeber) Werk 2 (ehem. Fa. Laufer) und Werk 3 (ehem. Fa. Böttcher).



1952 kamen noch die 1924 gegründete Firma Alfred Oberthür mit Sitz Am alten Blobach 6/ 7 sowie die Firma Albin Aulepp aus der Brückenstraße 12 hinzu.


2016 - ehem. Fa. Oberthür  Am Alten Blobach 6/7 (bis 1952)   -   heute: Textielveredlung Gebr. Hecht

Während es zur Firma Oberthür nicht allzu viel zu berichten gibt außer das die Produktionsgebäude später durch die Textilveredlungsfirma der Gebrüder Hecht genutzt wurden, möchte ich etwas genauer auf die wesentlich bekanntere Firma von Albin Aulepp eingehen.


Fa. A. Aulepp

Albin Aulepp                                                                                                                           Alwine Aulepp

1872 gründete Albin Aulepp, der bei der Firma Rathgeber ausgebildet wurde, seine Firma im Elternhaus seiner Frau Alwine in der damaligen Viehgasse 12. Auch auf Betreiben Aulepps hin wurde die Straße 1898 ein Teil der Brückenstraße. Aulepp produzierte zunächst Socken und Strümpfe sowie Rahmenarbeiten. Durch modernste Maschinen steigerte sich die Produktion bis 1888 immer weiter. 1899 Treten die Söhne von Albin Aulepp in die Firma ein.


Familie Aulepp um 1900

Ab 1900 expandiert die Firma und eröffnet Filialen im Umland z.B. in Helmsdorf, Langensalza, Eigenrode und Heyerode. 1902 wurden Georg und Wilhelm Firmenteilhaber, 1911 zog sich Albin Aulepp zurück und übergab die Firma seinen Söhnen. 1912 wurde die ebenfalls 1872 gegründete Firma Hermann Jödicke aufgekauft und 1913 ein neues Produktionsgebäude in der Brückenstraße gebaut. Dadurch konnte sich die Mitarbeiterzahl der Firma Aulepp 1914 auf etwa 315 zuzüglich der Büroangestellten steigern. Ebenfalls hinzu kamen noch etwa 420 Heimarbeiter.

Auch die Firma Aulepp steigt 1914 in die Kriegsproduktion ein und stellte Strümpfe, Kopfschützer, Pullover und Schals her. Da Wilhelm Aulepp an die Front musste führte Georg das Unternehmen allein weiter. Nach Kriegsende 1918 verblieben dem Unternehmen 142 Beschäftigte.


1929 traf die Wirtschaftskriese auch die Firma Aulepp mit voller Härte. Versuchte man erst noch die Filialen im Umland zu halten, mussten nun doch die meisten geschlossen werden. Auch das Mühlhäuser Stammwerk entließ viele seiner Arbeiter. Gerade 166 Mitarbeiter verblieben.


1932 erreichte mit 77 Beschäftigten der Mitarbeiterabbau seinen Tiefststand. Ebenfalls 1932 trat Gerhadt Aulepp in die Firma des Großvaters ein, nachdem bereits 1927 Hansgeorg Aulepp eingetreten war.

1936 trat Rolf Aulepp als jüngster Enkel in die Firma ein. 

Die Produktion wurde der Mode der damaligen Zeit angepasst. Trachtenmode war angesagt sowie bestickte Kinderbekleidung.

                 Rolf Aulepp                                                                   

                                                                                                                   Aulepp-Werbung der 1930er Jahre


Mit dem Kriegsausbruch 1939 vielen fast alle Luxusartikel weg. Es wurden für Polizei und Heer Schlupfjacken und Pullover produziert. 1941 war die Produktion voll auf den Krieg eingestellt. Wehrmachtssocken, Kopfschützer, Schals, Pullover und Rollkragen bestimmten das Produktionssortiment.



1942 fällt Hansgeorg bei Moskau, Rolf wird in Polen schwer verletzt und war fortan dienstuntauglich. 1945 zerstört ein Bombentreffer der Alliierten im Stadtzentrum auch einen Teil der Produktionsgebäude. 1946 wurde die Firma unter Sequester gestellt, das heißt, die Firma wurde fremdverwalet. Nach erfolgreichem Einspruch ging das Unternehmen an die Familie Aulepp zurück.

1947 begeht die Firma, trotz der schlechten Zeiten, das 75-jährige Firmenjubiläum. Die Aulepps beteiligen sich rege an Reparationsleistungen für die Sowjetunion. Wilhelm Aulepp und seine Söhne Gerhard und Rolf waren Geschäftsführer.

Familienwappen der Fam. Aulepp im Rathaus



1949 wurden, auf Grund falscher Beschuldigungen, die drei Geschäftsführer verhaftet. Sie waren wegen so genannter Wirtschaftsvergehen angeklagt, erhielten hohe Haft- und Geldstrafen und in 4 Instanzen wurde die Enteignung der Firma am Landgericht Mühlhausen durchgesetzt.  

1951 übernahm der VEB "Einheit" die Maschinen, die sowohl im Werk 1 in der Thälmannstraße als auch im Werk 2 in der Feldstraße zum Einsatz kamen. Die Gebäude übernahm der VEB Kinderwagenfabrik (ehem. Martin Lamberz).


ehem. Fabrik der Fam. Aulepp in der Brückenstraße



Der Strickereistandort wurde aufgegeben und das Verwaltungsgebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.





…und damit geht es weiter mit der "Mülana"-Geschichte  

1952 wurde das Lehrlingswohnheim in der Wahlstraße eröffnet, womit wir wieder bei der "Mülana-Geschichte" wären. Zum VEB  "Einheit" gehörten nun sechs ehemals eigenständige Werke, wobei das Werk 3 fortan als Betriebsberufsschule diente und das Lehrlingswohnheim die ehemalige Zigarrenfabrik Danner und damit kein Textilbetrieb war.



1954 wurde die Unterwäscheproduktion ausgelagert.   


Man spezialisierte sich auf Obertrikotagen. Im selben Jahr verzeichnete die "Einheit" eine Beschäftigtenzahl von 1500. Ab 1955 begann der Übergang von der Hand- auf die Maschinenstrickerei.

 

1956 - Die Großschablonenschnitttechnik wird eingeführt und im Januar erscheint die Betriebszeitung "Einheit" das erste Mal. Ab 1960 ist das Markenzeichen "Mülana" auf allen Produkten zu sehen.


10 Jahre VEB Obertrikotagenwerk "Einheit"  

Mühlhausen/Thür. 


1961 begeht der VEB "Einheit" sein 10-Jähriges Betriebsjubiläum. 1962 entstand in der ehem. Fabrikantenvilla Thälmannstraße 38 ein neuer Kindergarten und 1964 wurde der VEB Strick- und Strumpfwarenfabrik Mühlhausen angegliedert, dessen Firmensitz An der Burg 6 aber in der Folge vom VEB Röhrenwerk als Ausbildungsstätte genutzt wurde.

1967 übernahm der VEB "Einheit" die Thuringia - Kammgarnspinnerei in der Naumannstraße und begann mit dem Umbau, der 42 Millionen Mark kosten sollte.


Thüringer Obertrikotagen Kombinat Apolda

Am 01. Januar 1969 entstand das Thüringer Obertrikotagenkombinat (TOK) Apolda, dem die Strickwarenfabrik Apolda, die "Einheit" Mühlhausen und das Eichsfelder Obertrikotagenwerk Dingelstedt angehörten.

Am 06. Oktober 1969 wurde ein Teil des Rationalisierungsobjektes "20. Jahrestag", wie jetzt die ehemalige Kammgarnspinnerei in der Naumannstraße genannt wurde, in Betrieb genommen. Die offizielle Übergabe fand am 30. Oktober 1969 in Anwesenheit der Ministerin für Leichtindustrie der DDR statt. 

Das Jahr 1970 war geprägt von den Testläufen im zukünftigen Werk 2, um eine hohe und stabile Produktion zu gewährleisten. Außerdem eröffnete in der Leninstraße, dem heutigen Lindenbühl, ein weiterer Betriebskindergarten.


1971 - Eröffnung einer werkseigene Großküche und eines Speissaals mit 350 Plätzen. Das Werksessen wird auf 4 Gerichte in 2 Schichten erweitert.



Am 01. Oktober erfolgte die vollständige Übergabe des neuen Werkes in der Naumannstraße, dessen Geschichte im Wesentlichen nun ebenfalls erzählt werden soll.




   Thuringia  

Kammgarnspinnerei


Die Thuringia - Kammgarnspinnerei befand sich am Wendewehr zwischen der Hindenburgstraße, die seit 1934 Friedrich Naumannstraße heißt und dem heutigen Gasometerweg.

1925

Im Norden führte die Bahnlinie Gotha - Leinefelde vorbei, von der aus auch ein Werksgleis in die Spinnerei führte. In der Hindenburgstraße gegenüber der Spinnerei lag die Rosenhofkaserne.

1923 wurde die Kammgarnspinnerei "Thuringia" im Auftrag der M. Lange-Rohprodukten - Großhandlung erbaut. Mit dem Bau war auch hier die renommierte Mühlhäuser Baufirma K. Louis Müller beauftragt.

 

Produktionsbeginn war 1929. 1933 wurde die Zwirnerei umgebaut und 1934 erfolgte die Vergrößerung des Bürogebäudes am Wendewehr.


1937   Thuringia - Kammgarnspinnerei am Wendewehr

Umbauarbeiten nach Ausbruch des Krieges 1939 wurden nur selten genehmigt, so wurde der Bauantrag zum Bau eines Feuerlöschteiches 1942 abgelehnt.

Von 1944 bis zum Ende des Krieges befand sich auf dem Gelände der Spinnerei ein Außenlager des KZ`s Buchenwald. Unter den Decknamen "Mühlen AG" und Marta II mussten über 550 Zwangsarbeiter für die Junkers - Flugzeug- und Motorenfabrik arbeiten.

                     

                 Kennzeichnung eines KZ-Häftlings aus England mit        Firmenlogo der Junkers-Flugzeug- & Motorenfabrik                                 hoher Fluchtgefahr (Beispiel - kein Original)

Eine Enteignung der Firma nach 1945 ist sehr wahrscheinlich, aber nicht belegt.



Im Jahr 1946 stellte die Stadt kurzzeitig die Müllabfuhr für die Spinnerei ein. 

Im Februar 1948 wurde erneut ein Umbauantrag für das Bürogebäude gestellt. Im April erfolgte der Bau eines Speisesaales und im Juli die Erweiterung des Kindergartens. 1949 wurde der Umbau des Bürogebäudes genehmigt und durchgeführt. Ein weiterer Anbau für den Kindergarten wurde 1950 auf Grund von Materialmangel abgelehnt.

                               Februar 1948                                        Februar 1948                                        April 1948

                         Juli 1948                                         Februar 1949                                             Dezember 1950

Bis 1967 sind keine weiteren Unterlagen über den Betrieb der Spinnerei im Mühlhäuser Archiv zu finden. Wahrscheinlich stand der Betrieb erst unter Treuhandaufsicht und wurde dann als VEB weitergeführt.

1967 übernahm der VEB "Einheit" die Thuringia Kammgarnspinnerei und ließ sie bis 1971 grundlegend umbauen.





Damit sind wir im Jahr 1972 angekommen und auch wieder zurück bei der Geschichte von Mülana bzw. der "Einheit". Das zweite Mal fanden in diesem Jahr vom 27. Mai bis zum 04. Juni die Betriebsfestspiele statt. Dabei ging es vor allem um den kulturellen und sportlichen Austausch der einzelnen Betriebsteile. Immerhin arbeiteten zu dieser Zeit etwa 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im TOK (Thüringer Obertrikotagen-Kombinat).



 


Werbung um Lehrlinge in den 1970er Jahren

1973 entstand im Werk 2 eine neue Zahnarztpraxis und am Wendewehr wurde ein weiterer Kindergartenneubau übergeben.

  Zahnarztpraxis um 1970 (Beispiel)                                           Kindergarten am Wendewehr


VEB Obertrikotagen Mülana - Mühlhausen/Thür.

      

Für Mühlhausen und den VEB "Einheit" war 1974 ein entscheidendes Jahr. Am 28. Februar wurde der VEB "Einheit" aus dem TOK Apolda ausgegliedert und änderte mit Wirkung zum 01. März 1974 den Namen in VEB Obertrikotagen "Mülana" Mühlhausen.


Damit verbunden war die Umstrukturierung des Betriebes. Mülana Werk 1 war mit der Verwaltung in der Thälmannstraße, zum Werk 2 wurde die ehem. Kammgarnspinnerei Thuringia in der Naumannstraße, in der Wagenstedter Straße und der Wahlstraße befanden sich die Berufsausbildung Theorie sowie die Polytechnik und in der Feldstraße die Berufsausbildung Praxis. Später wurden das Werk 3 in Ohrdruf und das Werk 4 in Bad Frankenhausen mit ihren Produktionsstätten angegliedert.

1976 - Im August startete die Produktion mit 22 Mitarbeitern in Altengottern.


1977 wurde der Produktionsstandort Kammerforst erweitert. Der VEB Mülana liefert in 15 Länder nun auch mit dem International geschützten Warenzeichen "Mülana".


1978 wurde die Betriebssportgemeinschaft "Mülana" gegründet und die Betriebsstätte Altengottern weiter ausgebaut.


1979 nahm der VEB Mülana erfolgreich an mehreren internationalen Messen teil. Viele Produkte wurden mit Gold- und Silbermedaillen ausgezeichnet.



Ab 1980 begann die schrittweise Einführung von computergesteuerten Maschinen.




1981 ging die neue Betriebstätte in Menteroda in Betrieb und ab 1982 sorgten 4 Betriebsküchen nicht nur für die Verpflegung der Mülana-Werker, sondern auch für täglich ca. 2600 Essensportionen in 22 weiteren Betrieben und in 8 Schulen. Das Essengeld pro Woche lag unter 5,- Mark, ob in Betrieben oder in Schulen!





Ratiomittelhalle Werk II kurz vor dem Abriss

1983 wurde im Werk 2 eine neue Halle für den Ratiomittelbau fertig gestellt und 1984 der VEB Mühlhäuser Strickmoden mit 4 eigenen Produktionsstätten an den VEB Mülana angegliedert. 

Die Geschichte des ehem. VEB Mühlhäuser Strickmoden wird im Folgenden erzählt.




VEB Mühlhäuser Strickmoden 


Im 14. Jahrhundert wurde erstmals eine Mühle bei der Klinge erwähnt. Sie wurde als Mahl-, Lederwalk-, Loh- und Ölmühle genutzt.

Klinge(n)mühle um 1915   -   Zeichnungen: Otto Thomasczek

1936 erwarbt August Pabst die Mühle und ließ sie zu einer Strickerei umbauen. 1941 erfolgt der Einbau einer Roheisanlage. Diese diente zur Belieferung von Brauereien und Gaststätten mit Kühleis und wurde neben der Strickerei betrieben.


1957 wurde die Strickerei in die PGH " Prodeha " umgewandelt, die 1972 enteignet und als VEB Strickmoden weiter geführt wurde. Ebenfalls 1972 übernahm der VEB Strickmoden die Strickerei Paul Schramm an der Wagenstedter Brücke, auf deren Geschichte ich nun kurz eingehen möchte.



Firma Paul Schramm  



Paul Schramm

Schramms Markenname "Paschra" war damals in aller Munde und stand für beste Qualität aus Mühlhausen.

 

Lagepläne der Firma Paul Schramm (1972) - Vor der Wagenstedter Brücke 75a

1972 wurde die Firma enteignet und, zusammen mit dem Markennamen "Paschra", vom VEB Strickmoden übernommen. 1990 stellten die Schramm-Erben Rückführungsansprüche.

 


Wieder zurück beim VEB Mühlhäuser Strickmoden, an den der VEB Strickmoden 1976 angegliedert wurde. Seit 1972 gehören die ehem. PGH "Hapro" in der Erfurter Straße 3, die ehem. PGH "Prodeha" in der Friedrich Engels Straße und die ehem. PGH "Mühag" zum VEB Mühlhäuser Strickmoden. Später kamen noch die PGH "Strigeno" und der VEB Wirk- und Strickmoden aus Heyerode hinzu. 1984 wurde der VEB Mühlhäuser Strickmoden an den VEB OT Mülana als Werk 5 angegliedert. 1988 wird Mülana durch den Kauf des gesamten Geländes auch Grundeigentümer der Klingenmühle.

Damit waren alle ehemaligen Strickereien in Mühlhausen und Umgebung unter einem Dach vereinigt.

Der VEB OT Mülana war nun der größte Produzent von Obertrikotagen in der damaligen DDR, weit über die Grenzen bekannt und die Produkte vor allem in Westdeutschland sehr begehrt.



Damit sind wir auch wieder beim VEB Mülana als zusammenhängenden Betrieb mit seinen, nun 5 Betriebsteilen (siehe Grafik ganz oben).

                 Pausenecke im Werk II                                                               Maschinensaal Werk I

Im Oktober 1984 wurde eine neue Produktionsstätte des Ohrdrufer Werkes 3 in Gotha übergeben. Erstmals wurden in diesem Jahr über 6 Millionen Obertrikotagen hergestellt.

 


Im Oktober des Jahres 1985 kam der erste Bürocomputer im Werk 2 zum Einsatz und am 16. April 1986 wurde der Mülana-Jugendclub in der Wahlstraße übergeben. Im DDR - Jugendmagazin "Neues Leben" wurde seinerzeit ein Artikel über die Arbeit des Jugendclub`s veröffentlicht.

Die Modenschaugruppe vom VEB Mülana hatte 1986 65 Auftritte auf Messen, bei betrieblichen aber auch außerbetrieblichen Veranstaltungen und im Betriebsferienheim in Linde am See.

So langsam begann auch in der DDR das Computerzeitalter. Ab 1987 begann die Umstellung auf CNC und CAM gesteuerte Maschinen.

Die Betriebsberufsschule in der Wagenstedter Straße erhielt ein Computerkabinet mit 18, in Mühlhausen entwickelten und hergestellten KC 85 Computern. 1988 wurde im Werk 1 in der Thälmannstraße das kettelidentische Nähen eingeführt.


Damit war der Höhepunkt des VEB OT Mülana erreicht. Ab 1989 ging es, wie mit fast allen Betrieben in Mühlhausen steil bergab.


1990 wurde der VEB OT "Mülana" in "Mülana GmbH" umbenannt, es begann die so genannte Betriebsabwicklung und damit Auflösung der bisherigen Betriebsstruktur.  Im August 1991 arbeiten noch 1300 von ehemals 3400 Mitarbeitern bei der Mülana GmbH, Tendenz fallend.

September 1993 - die letzten Arbeiterinnen im Werk I (Thälmannstraße in Mühlhausen)

Bereits am 14. Dezember 1990 gründete Helmut Petersheim in der Erfurter Straße 3 mit anfangs 44 Mitarbeitern die HP Strickwaren GmbH.

Helmut Petersheim                                                Erfurter Str. 3

Ebenfalls 1991 gründete Michael Neger in der Friedrich Engels Straße seine Strickwaren GmbH mit 40 Mitarbeitern.

Strickmaschinen in der Fr.-Engels-Straße (Strickwaren GmbH)

1993 wurde das Werk II in der Naumannstraße geschlossen und die Firma "Krumbein & Krumbein fully fashion GmbH", die ein Tochterunternehmen der Wilhelm Krumbein GmbH aus Heyerode war, die wiederum über Rückführung aus der Mülana-Produktionsstätte in Heyerode entstand, zog in das ehem. Werk 2.

Panorama Werk II - Wendewehr/Fr.-Naumann-Straße (2001)

Zum Jahresende 1993 wurde dann auch das Werk 1 in der Thälmannstraße geschlossen.


Der VEB Obertrikotagen Mülana und auch die Mülana GmbH waren marktwirtschaftlich abgewickelt, für westdeutsche Betriebe keine Konkurrenz mehr und damit Mühlhausen Industriegeschichte.


Panorama Werk I - Thälmannstraße (1998)