VEB Mülana (Teil 2)



VEB Mülana  Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/1960er_logo_muelana-02-2png.png

Teil 2

Bevor wir aber zu den Abrissen kommen, hier noch eine kleine Erinnerung an das Betriebsferienheim und das Ferienlager des VEB Mülana in Linde am See bei Löwenberg.

Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/rueckseite-ak-linde-wirtshaus-am-linde-see-blick-auf-den-see-und-teilansicht-des-gartens.jpg Linde am See Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/ak_linde_am_see_-_betriebs-ferienheim_muelana-stempel.jpg

Betriebsferienheim und Kinderferienlager

Linde war Kult! Jedes Kind aus Mühlhausen wollte wenigstens einmal in dieses Ferienlager, was auch meistens klappte. Eigentlich hatte jeder einen Verwandten in der Familie, der bei Mülana arbeitete und das organisieren konnte. Das aus heutiger Sicht wohl bekannteste Kind im Ferienlager Linde war in den 1970er Jahren unser derzeitige Landrat Harald Zanker.

Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/56792_0.jpg Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/linde_am_see_-_gastraum.jpg

Wirtshaus "Linde am See" - Inneneinrichtung um 1950

Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/linde_am_see_-_blick_auf_den_lindesee.jpg Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/linde_am_see_-_terasse_mit_see.jpg

Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/linde_am_see_-_terasse_seeseite.jpg

Außenanlage und Terrasse des Ferienheims um 1950

Meist gab es 3 Durchgänge, d.h. 3 x 14 Tage kamen ca. 120 Kinder zum Urlaub nach Linde am See. Eine Meisterleistung der Organisatoren. Schon die Zugfahrt war ein Erlebnis.

Linde am See - Mülana-Ferienheim in den 1970er Jahren



Linde am See - Ferienlager in den 1970er Jahren


 


Linde am See - Ferienlager in den 1970er Jahren


Highlights waren die Nachtwanderungen mit den "Elektrowurpsen" (wobei auch heute noch keiner weiß, was das für Dinger waren), die Lagerdisco`s, Fahrten nach Rheinsberg, Oranienburg oder zu Ritter Friedrich Kahlbutz nach Kampehl und natürlich 2 x nach Berlin. Die Fußballturniere mit dem Nachbarlager in der Storchenmühle und die Neptunfeste sind tolle Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit in Lind am See.


Linde am See - Ferienlager in den 1980er Jahren


Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/1986_linde-see_neptunfest_martina_rutsch01.jpg Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/1986_linde-see_neptunfest_martina_rutsch02.jpg

Beschreibung: https://file2.hpage.com/014334/87/bilder/1986_linde-see_neptunfest_martina_rutsch03.jpg

Neptunfest im Kinderferienlager in Linde am See (1986)


Heute ist das alte Gasthaus und spätere FDGB-Ferienheim ein Golfhotel mit Anglerparadies. Das Ferienlager mit seinen Wohnbaracken und der Speisesaal sind abgerissen.


Das ehem. Kinderferienlager in Lind am See im Jahr 2015.




Wieder zurück zur Mülana-Chronik und zum letzten Kapitel der Geschichte.  

die Abrisse

Werk II


Zum Jahreswechsel 1996/97 zog die Firma Krumbein an einen neuen Produktionsstandort im Gewerbegebiet An der Trift, der Produktionsstandort am Wendewehr wurde aufgegeben und stand bis zum August 2004 leer. In diesem Jahr musste auch die Firma "Krumbein & Krumbein fully fashion GmbH" Insolvenz anmelden.


Die ersten beiden Bilder im Abschnitt Abriss zeigen das Werk II im April 2001. So haben die meisten Mühlhäuser das Gebäudeensemble an der Ecke Wendewehr - Fr.-Naumann-Straße noch in Erinnerung. Die Fenster waren mit Platten verschlossen und auf den Freiflächen wuchsen Gras, Büsche und Bäume.

 


 


Wie bei fast allen Teilen meiner Abriss-Reihe fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Wie begleitet man mit Worten Bilder, den Abriss eines gewohnten Stücks Heimat zeigen? Wie beschreibt man den Niedergang der Industrie eines ganzen Landes und damit der Lebensgrundlage vieler tausender Menschen?

 


 


Sehen wir den Tatsachen auch dieses Mal wieder ins Auge und beginnen im August 2004 mit der Sichtung des Abrissobjektes im Außenbereich.

 


Durch den langen Leerstand und den Wandalismus ist es in den Gebäuden nicht ungefährlich. Müll und Schutt liegen herum und zerbrochenes Glas birgt hohe Verletzungsgefahr.



Das ehemalige Werk II ähnelt eher einer Müllhalde als einem Betrieb, egal ob in den früheren Büros, den Sanitärbereichen, dem Speisesaal, den Treppenhäusern oder den Produktionshallen.





Bevor es an den Abriss der Außenwände geht, muss auch hier gründlich entkernt werden. Dabei hilft, neben schwerem Gerät oft nur die "Feuersäge" sprich der Schneidbrenner. 


 

Auch im Außenbereich sind Sicherungs- und Aufräumarbeiten notwendig, bevor der Abrissbagger seine Arbeit beginnen kann.


 


 


 


 


Bis März 2005 verschwand Stück für Stück vom ehemaligen Vorzeigebetrieb und Flaggschiff des VEB Mülana.

 


 


 


Übrig blieb eine beräumte Fläche, die in den Folgejahren immer mehr von Gras und Büschen überwuchert wurde.

 



Davon ausgenommen sind die neu bebauten Flächen, die direkt an das Wendewehr grenzen. Hier haben sich unter anderem das Dänische Bettenlager mit seiner Mühlhäuser Filiale, der TTM-Markt und eine Kfz-Werkstatt angesiedelt.



Werk I

       


Bild & Zeitungsartikel - Wochenblatt vom 09. Januar 2002

 


06. Januar 2002 (Fotos: R. Uthardt)

Bereits 2002 stand die ehemaligen Firmenzentrale von Mülana in der Thälmannstraße in Flammen. Das Feuer brach am 06. Januar  um 3.00 Uhr an 6 Stellen des ehem. Werkes I gleichzeitig aus.

 

Mülana Werk I am 06. Januar 2002 (Fotos: Frank Schulz)

 


 


07. Januar 2002 /Fotos: R. Wernecke)

 


Mülana Werk I am 13. Januar 2002 (Fotos: Frank Schulz)

23 Feuerwehren mit über 100 Mann brachten den Brand bis zum Mittag unter Kontrolle, Gesamtschaden 3,3 Millionen Euro.


 


2005 - Gelände des abgerissenen Werk I in der Thälmannstraße

Bis heute glaubt kein Mühlhäuser an einen zufälligen Brandausbruch, der Begriff "Heißabriss" machte die Runde. Die Brandstiftertheorie wurde noch genährt, als am 08. Mai desselben Jahres ein weiterer ex - Mülanabetrieb in Flammen aufging.


Werk V

Die Betriebsstätte des Werkes V an der Wagenstedter Brücke, die ehemalige Strickerei Paul Schramm, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden hier belief sich auf über 100.000,- Euro. Zufall oder Vorsatz? Diese Frage beschäftigt auch heute noch die Gemüter der Mühlhäuser.

08. Mai 2002



 


2003 erfolgte der Abriss der zerstörten Gebäude in der Thälmannstraße und An der Wagenstedter Brücke.


Betriebsberufsschule 

ehemmals Fa. Schreiber & Honer; später Fa. Böttcher & Einheits-Gründungsbetrieb in der Wagenstedter Straße

 


Die Betriebsberufsschule in der Wagenstedter Straße 4 (ehem. Firma Böttcher und vorher Schreiber & Honer) in der u.a. auch das Mülana-Archiv untergebracht war, wurde noch einige Zeit durch andere Bildungsträger genutzt und dann ebenfalls geschlossen. Die Gebäude standen leer und verfielen. Ein weiterer Firmenabriss in unserer Stadt war unausweichlich.

 


Wagenstedter Straße - Umbau Seitengebäude 2007 (Fotos: Th. Schmidt)

 


Wagenstedter Straße - ehem. BBS und Kindergarten - 2007 (Fotos: Th. Schmidt)

Auch im Jahr 2016, 9 Jahre nach den oben zu sehenden Aufnahmen, hatte sich das Bild noch nicht gebessert. Das alte Fabrikgebäude stürzt so langsam in sich zusammen und im Zugang zum ehemaligen Kindergarten, rechts nach dem Wachhäuschen, wuchsen die Bäume.

 


 


 


Im Inneren stürzten Wände und Decken ein, so dass diese Bilder nur durch die teils eingeworfenen Fenster gemacht worden sind. Ein Betreten der ehemaligen Fabrikhallen wäre lebensgefährlich gewesen.

 


Am schlimmsten betroffen war der Mittelteil des Fabrikgebäudes. Hier waren nicht nur die Decken eingestürzt, sondern auch die Sheddächer.

 


Bei Sheddächern oder Sägezahndächern werden mehrere kleine pult- oder satteldachartigen Dachaufbauten hintereinander angereiht. Typisch ist diese Dachform bei Fabrikbauten, in denen große Grundflächen gebraucht werden. Firmen mit Sheddächern in Mühlhausen waren z. B. das Mülana-Werk II in der Naumannstraße, Cottana BB3 (ehem. Giebe) in der Mühlstraße, Binkebank & Hammer in der Wanfrieder Straße oder die Metallwarenfabrik Franke an der Harwand. Heute gibt es nur noch ein Gebäudeensemble mit Shedbedachung in Mühlhausen. Dies sind die früheren Produktionshallen der ehemaligen Westthüringer Kammgarnspinnerei in der Thomas Müntzer Straße.

 


 


Die Sheddächer sind auch sehr gut auf den Fotos der Firmenwestseite zu erkennen, aber auch der fortschreitende Verfall des gesamten ehemaligen Fabrikgebäudes. So wurde der, bei der Renovierung des angrenzenden Hauses entstandene Schutt einfach in eine Lücke im hinteren Gebäudeteil geschoben und mit einem Bretterzaun abgesperrt. Dahinter sorgten Regen, Schnee und Wind für den weiteren Verfall der Dächer und Mauern. Der endgültige Abriss sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen.



Im Januar 2020 war es dann soweit. Die Abrissbagger rückten an und rissen die maroden Gebäude ein. Bis zum März des Jahres 2020 war auch dieser Mühlhäuser Betrieb, oder besser, was von ihm übrig war, verschwunden. Laut einem Zeitungsartikel in der „Thüringer Allgemeinen“ sollen auf dem Gelände Wohnungen entstehen.




Abriss der Mülana-BBS im Januar 2020



Abriss der Mülana-BBS im Januar 2020 (Foto TA)






F a z i t

Dem Fazit aus dieser Firmengeschichte stelle ich eine Grafik voran, auf der die Mühlhäuser Mülana - Betriebe nochmals im Jahr 1989 zu sehen sind.


Standorte der Mülana-Werke und Produktionsstätten im Jahr 1989


Als erster Betrieb wurde Anfang der 1990er Jahre das ehemalige Werk II, später Berufsschulwerk Praxis in der Feldstraße abgerissen und das Gelände neu bebaut. Heute ist dort der Firmensitz eines Pflegedienstes.

 


Danach stand erst das Hauptwerk in der Thälmannstraße und im selben Jahr ein Betriebsteil an der Wagenstedter Brücke in Flammen.

  

Beide sind durch diesen Heißabriss 2002/2003 ebenfalls von der Karte verschwunden, gefolgt vom ehem. Werk 2 und früherer Kammgarnspinnerei Thuringia in den Jahren 2004 und 2005.

 



Die ehemalige Berufsschule verfiel und wurde 2020 abgerissen. In das Gebäude des Lehrlingswohnheims sowie der Polytechnik in der Wahlstraße zog für ein paar Jahre das VHS Bildungswerk und der Standort in der Friedrich Engelsstraße wurde von Michael Neger übernommen. In die Erfurter Straße 3 zog die Firma von Helmut Petersheim.

 


2008 ging die M. Neger Strickwaren GmbH in der ehem. Klingenmühle in Insolvenz und musste schließen. 2010 zog dort die Firma Bautenschutz Kiel ein. Die alte Mühle wurde wieder Firmensitz und 2015 Heimstatt des Mühlenhausvereins.

 


Ebenfalls 2015 wurde das Gebäude in der Wahlstraße, in dem auch das Lehrlingswohnheim vom VEB Mülana untergebracht war, umgebaut zum Gästehaus einer Pension.


Standortsituation nach 2000


Der einzige, aus den "Mülana"-Betrieben hervorgegangene und heute noch erfolgreich in Sachen Strickmoden produzierende Betrieb ist die HP Strickwaren GmbH in der Erfurter Straße 3. Hier hält Helmut Petersheim, seine Frau und seine Mitarbeiter seit über 25 Jahren das Traditionsfähnchen der Strickwarenindustrie von Mühlhausen hoffentlich noch lange hoch.

Ende